Audi Sport quattro: 214 Autos, ein Fünfzylinder und die Geburt des Allradantriebs für schnelle Autos

Ein um 32 Zentimeter gekürzter quattro, ein Fünfzylinder-Turbo mit 306 PS und eine Karosserie aus Kevlar: Der Sport quattro von 1984 war der teuerste Audi seiner Zeit und das Homologationsmodell für die Gruppe B. Er machte den Allradantrieb im Rallyesport unschlagbar – und ist der Grund, warum der Audi R8 vier angetriebene Räder hat.

Audi R8 V10 performance Spyder aus der Flotte von Diamond Cars – quattro-Antrieb in der Tradition des Sport quattro
quattro auf der Passstraße, 40 Jahre später: der Audi R8 V10 performance Spyder aus unserer Flotte. Foto: Diamond Cars.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorgestellt 1983 auf der IAA, gebaut 1984 bis 1987: 214 Exemplare, 200 waren für die Homologation in der Gruppe B nötig.
  • 2,1-Liter-Fünfzylinder-Turbo mit 20 Ventilen, 306 PS, 350 Nm – 0–100 km/h in 4,8 s, 250 km/h Spitze.
  • Radstand gegenüber dem Ur-quattro um 320 mm gekürzt, Karosserieteile aus Kevlar und GFK, Neupreis 195.000 D-Mark.
  • Die Rennversionen S1 und S1 E2 mit bis zu 600 PS gewannen Rallyes und Bergrennen – Walter Röhrl 1987 am Pikes Peak in 10:47 Minuten.
  • quattro im Mittelmotor-Zweisitzer: Der Audi R8 V10 performance Spyder unserer Flotte ist das, was aus dieser Idee wurde.

Geschichte: warum Audi einen quattro kürzte

1980 hatte Audi mit dem quattro etwas getan, was im Rallyesport als unmöglich galt: einen permanenten Allradantrieb in ein Straßenauto gebaut und damit ab 1981 die Rallye-Weltmeisterschaft aufgemischt. Das Reglement der Gruppe B ab 1982 erlaubte Autos, die mit der Serie kaum noch etwas zu tun hatten – 200 gebaute Exemplare genügten zur Homologation. Peugeot und Lancia kamen mit Mittelmotor-Prototypen, und der lange, schwere Ur-quattro geriet ins Hintertreffen.

Audis Antwort war radikal: Der Radstand wurde um 320 Millimeter gekürzt, um das Auto agiler zu machen. Dafür nutzte Audi die steilere Windschutzscheibe des Audi 80 – die flache quattro-Scheibe hatte im Rallye-Cockpit gespiegelt – und passte Dach und Türen an. Türen, Hauben, Kotflügel und Heck bestanden aus Kevlar und glasfaserverstärktem Kunststoff. Im September 1983 stand das Ergebnis auf der IAA in Frankfurt: der Sport quattro.

Zwischen 1984 und 1987 entstanden 214 Fahrzeuge, gebaut in Handarbeit bei Baur in Stuttgart und in Ingolstadt. Der Preis von 195.000 D-Mark war der höchste, den Audi je verlangt hatte – mehr als ein Porsche 911 Turbo. Ein Großteil der Autos ging an Rallye-Teams und Sammler.

Technik: der Fünfzylinder und der Allradantrieb

Der Motor ist ein 2,1-Liter-Fünfzylinder (2.133 cm³) mit Aluminium-Block, vier Ventilen pro Zylinder – die ersten 20 Ventile bei einem Audi-Serienmotor – und einem KKK-Turbolader mit Ladeluftkühler. 306 PS bei 6.700/min und 350 Nm bei 3.700/min machten ihn 1984 zum stärksten deutschen Serienauto. Die Fahrleistungen: 0–100 km/h in 4,8 Sekunden, 250 km/h Spitze.

Der Allradantrieb entspricht dem des Ur-quattro: permanent, mit manuell sperrbarem Mittel- und Hinterachsdifferenzial. Was heute selbstverständlich klingt, war 1984 eine Ansage – ein Auto dieser Leistungsklasse, bei dem alle vier Räder Kraft übertragen, war in dieser Leistungsklasse neu. Der Fünfzylinder-Klang – ein unverwechselbares, hartes Hämmern mit Turbo-Pfeifen – wurde zum Markenzeichen und lebt heute im RS 3 und im RS Q3 weiter.

Rallye & Pikes Peak: S1 und S1 E2

Die Rennversion Sport quattro S1 (1984) hatte rund 450 PS; die Evolutionsstufe S1 E2 von 1985 mit riesigem Heckflügel, Frontspoiler und bis zu 600 PS ist bis heute das ikonischste Rallyeauto der Gruppe B. Walter Röhrl gewann damit 1985 die Rallye Sanremo. Als die Gruppe B nach mehreren tödlichen Unfällen Ende 1986 verboten wurde, fand der S1 E2 eine letzte Bühne: 1987 gewann Röhrl das Bergrennen am Pikes Peak in Colorado in 10:47,85 Minuten – ein Rekord auf der damals noch ungeteerten Strecke.

Diese Autos prägten das Bild, das bis heute mit Audi verbunden ist: Allradantrieb, Turbo, Fünfzylinder, Schotter, Schnee. Wer heute einen Audi mit quattro-Schriftzug kauft, kauft ein Stück dieser Geschichte mit.

Audi R8 V10 performance Spyder – quattro-Antrieb mit 620 PS
Vom Rallye-Homologationsmodell zum Mittelmotor-Zweisitzer: Der R8 verteilt 620 PS auf vier Räder.

Das Erbe: vom Sport quattro zum R8

Der Sport quattro war Audis erster Versuch, aus dem Allradantrieb ein Fahrerlebnis zu machen. Der R8 ist die Vollendung: ein Mittelmotor-Zweisitzer, gebaut ab 2006, mit permanentem quattro-Antrieb – bis heute das einzige Auto seiner Klasse, das serienmäßig auf Allrad setzt. Der aktuelle R8 V10 performance hat 620 PS aus einem 5,2-Liter-Saugmotor, ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und eine elektrohydraulische Lamellenkupplung, die bis zu 100 Prozent der Kraft an die Vorderachse schicken kann.

Was den R8 mit dem Sport quattro verbindet, ist die Erfahrung auf nasser Straße und in Kehren: Wo ein Heckantriebler die Leistung nur vorsichtig abrufen kann, zieht der R8 aus der Kurve heraus, als hätte er doppelt so viel Grip. Als Spyder kommt dazu, was der Sport quattro nie hatte – ein offenes Dach über einem Zehnzylinder. Genau dieses Modell steht in unserer Flotte.

Sport quattro und R8 V10 performance Spyder im Vergleich
Sport quattro (1984)R8 V10 performance Spyder (2019)
Motor2,1-l-Fünfzylinder-Turbo, Frontmotor5,2-l-V10-Saugmotor, Mittelmotor
Leistung306 PS bei 6.700/min620 PS bei 8.000/min
Antriebquattro, sperrbare Differenzialequattro, elektrohydraulische Lamellenkupplung
Getriebe5-Gang manuell7-Gang-Doppelkupplung
0–100 km/h4,8 s3,2 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h329 km/h
Stückzahl214Serienmodell

Fazit

Der Sport quattro war ein Auto, das nur gebaut wurde, weil das Reglement es verlangte – und das trotzdem eine Marke definierte. 214 Exemplare, ein Fünfzylinder, der bis heute nachhallt, und ein Antriebskonzept, das Audi zum Synonym für Allrad machte. Der R8 V10 performance ist die Antwort auf die Frage, was aus dieser Idee wird, wenn man sie in einen Mittelmotor-Zweisitzer steckt. Bei uns kannst Du sie fahren – mit offenem Dach.

Häufige Fragen zum Audi Sport quattro

Wie viele Audi Sport quattro wurden gebaut?

214 Exemplare zwischen 1984 und 1987. Für die Homologation in der Gruppe B waren 200 Straßenfahrzeuge nötig.

Warum wurde der Radstand gekürzt?

Um das Auto im Rallyesport agiler zu machen: Der Ur-quattro war lang und schwer. Die Verkürzung um 320 mm verlangte eine neue Windschutzscheibe, ein neues Dach und kürzere Türen.

Wie viel kostete der Sport quattro?

195.000 D-Mark – der höchste Preis, den Audi bis dahin verlangt hatte, und mehr als ein Porsche 911 Turbo zur gleichen Zeit.

Kann man einen Audi Sport quattro mieten?

Bei Diamond Cars nicht – die 214 Exemplare sind Sammlerstücke. Den quattro-Antrieb im Mittelmotor-Zweisitzer fährst Du bei uns im Audi R8 V10 performance Spyder.

Was hat der R8 vom Sport quattro geerbt?

Den permanenten Allradantrieb – bis heute ist der R8 das einzige Auto seiner Klasse mit serienmäßigem quattro. Motorkonzept und Bauart sind völlig anders: V10-Sauger, Mittelmotor.

Über den Autor
Lukas Schulte

Vermietet mit Diamond Cars seit 2015 Sportwagen und Luxus-SUV in München – aus eigener Flotte, mit persönlicher Übergabe und Einweisung. Die Beiträge im Ratgeber beruhen auf dem täglichen Umgang mit den Fahrzeugen und auf geprüften Herstellerangaben.

Quellen: AUDI AG, Pressematerial und technische Daten zum Sport quattro (1984) und R8 V10 performance (2019) · Audi Tradition, Ingolstadt · Ergebnislisten Rallye-WM 1985 und Pikes Peak International Hill Climb 1987 · eigene Erfahrungen mit dem R8 aus der Vermietung.

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