Lamborghini LM002: Der „Rambo Lambo“ – ein Countach-V12 im Geländewagen

Ein Geländewagen mit dem Zwölfzylinder des Countach, 290 Liter Tank und Reifen, die Pirelli eigens entwickeln musste. Der LM002 von 1986 war absurd, teuer und seiner Zeit 30 Jahre voraus – denn was damals als Kuriosität galt, ist heute mit dem Urus das meistverkaufte Modell von Lamborghini.

Lamborghini Urus aus der Flotte von Diamond Cars – der Nachfolger des LM002
Der zweite Geländewagen aus Sant’Agata: der Lamborghini Urus aus unserer Flotte. Foto: Diamond Cars.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gebaut 1986 bis 1993, rund 300 Exemplare – Lamborghinis erster Geländewagen, entstanden aus einem gescheiterten Militärprojekt.
  • 5,2-Liter-V12 aus dem Countach Quattrovalvole mit 455 PS, Fünfgang-Handschaltung, permanenter Allrad, 2,7 Tonnen.
  • Werksangaben: 0–100 km/h in 7,7 s, 210 km/h Spitze – 1986 der schnellste Geländewagen der Welt.
  • Extreme in jeder Zahl: 290-Liter-Tank, Rohrrahmen, Pirelli-Scorpion-Reifen als Sonderentwicklung, Kunden von Königshäusern bis Rockstars.
  • Die Idee kehrte 2018 zurück: Der Lamborghini Urus unserer Flotte ist der LM002, wie ihn die Gegenwart baut – 650 PS, 305 km/h.

Geschichte: vom Militärprojekt zum Luxus-Geländewagen

Die Wurzeln des LM002 liegen 1977 in einem Auftrag, der nichts mit Luxus zu tun hatte: Lamborghini entwickelte gemeinsam mit einem amerikanischen Unternehmen einen leichten Militär-Geländewagen namens Cheetah, mit Heckmotor und Kunststoffkarosserie. Das US-Militär entschied sich für ein anderes Fahrzeug – den späteren Humvee –, und der Cheetah wurde ein Einzelstück.

Lamborghini ließ die Idee nicht los. 1981 folgte der LM001 mit AMC-V8 im Heck, 1982 der LMA002 mit dem Countach-V12 vorn eingebaut – die entscheidende Änderung, weil der Heckmotor das Fahrverhalten im Gelände unberechenbar gemacht hatte. Daraus entstand 1986 der Serien-LM002: ein Geländewagen mit Rohrrahmen, Aluminium- und GFK-Karosserie, Einzelradaufhängung rundum und dem V12 aus dem Countach 5000 Quattrovalvole. Bis 1993 entstanden rund 300 Fahrzeuge.

Die Käufer waren so ungewöhnlich wie das Auto: der Sultan von Brunei, der König von Marokko, Militärs am Golf, Rockmusiker und Filmschauspieler. In Amerika bekam der Wagen seinen Spitznamen „Rambo Lambo“. Ein Exemplar wurde mit dem 7,2-Liter-Marine-V12 ausgerüstet, den Lamborghini für Offshore-Rennboote baute.

Technik: Countach-Motor, 290-Liter-Tank, Sonderreifen

Der V12 leistet im LM002 455 PS bei 6.800/min – dieselbe Angabe wie im Countach Quattrovalvole, mit sechs Weber-Vergasern und 5.167 cm³. Er treibt über ein Fünfgang-Schaltgetriebe und ein Verteilergetriebe mit Untersetzung alle vier Räder an. Die Fahrleistungen für ein 2,7 Tonnen schweres Auto waren 1986 unerhört: 0–100 km/h in 7,7 Sekunden, 210 km/h Spitze.

Der Verbrauch lag im Alltag bei 30 bis 40 Litern auf 100 Kilometer – deshalb der 290-Liter-Tank, der als Doppeltank unter den hinteren Sitzen und im Heck sitzt. Reifen in der nötigen Dimension gab es nicht; Pirelli entwickelte eigens den Scorpion in 345/60 VR 17, wahlweise mit Sand- oder Straßenprofil. Innen war der LM002 so luxuriös wie kein Geländewagen zuvor: Leder auf jeder Fläche, Holz, Klimaanlage, Stereoanlage, vier Einzelsitze und eine offene Ladefläche mit Sitzbänken.

Fahrgefühl: ein Countach, der über Dünen fährt

Wer einen LM002 gefahren ist, beschreibt vor allem den Kontrast: Man sitzt hoch wie in einem Lkw, hört aber den Klang eines Countach – die zwölf Zylinder, die Vergaser, das Ansaugen. Die Lenkung ist schwer, die Kupplung ebenso, das Getriebe verlangt Nachdruck. Auf der Straße wankt der Wagen in Kurven, im Gelände ist er dank der Einzelradaufhängung und der Bodenfreiheit erstaunlich souverän. 1996 fuhr ein LM002 die Rallye Paris–Dakar-Vorläufer-Etappen, allerdings ohne großen Erfolg.

Es war ein Auto ohne Vernunft, und genau das war sein Zweck. Lamborghini bewies damit, dass die Marke nicht an die Form eines Mittelmotor-Coupés gebunden ist – eine Erkenntnis, die 30 Jahre später das Unternehmen verändern sollte.

Lamborghini Urus – Nachfolger des LM002 mit 650 PS
Vom Rohrrahmen zur Luftfederung: Der Urus hat Hinterachslenkung, Wankstabilisierung und sechs Fahrmodi.

Das Erbe: vom LM002 zum Urus

Als Lamborghini 2018 den Urus vorstellte, nannte das Unternehmen den LM002 ausdrücklich als Vorbild – und den Urus als „ersten Super-SUV“. Die Unterschiede könnten größer nicht sein: Statt Rohrrahmen und Vergaser-V12 hat der Urus eine selbsttragende Karosserie, einen 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 650 PS, eine Achtgang-Automatik, Luftfederung, Hinterachslenkung, Wankstabilisierung und Carbon-Keramik-Bremsen. 0–100 km/h in 3,6 Sekunden, 305 km/h Spitze – der LM002 wäre auf der Autobahn schon bei 210 am Ende.

Gemeinsam ist beiden die Absicht: ein Lamborghini, der vier Personen mitnimmt, Gepäck einlädt und auch abseits der Straße fährt, ohne aufzuhören, ein Lamborghini zu sein. Der LM002 war damit seiner Zeit voraus – der Markt für Performance-SUV existierte 1986 nicht. Heute macht der Urus mehr als die Hälfte aller Lamborghini-Verkäufe aus. Und er steht in unserer Flotte.

LM002 und Urus im Vergleich
LM002 (1986)Urus (2018)
Motor5,2-l-V12-Saugmotor, Frontmotor4,0-l-V8-Biturbo, Frontmotor
Leistung455 PS bei 6.800/min650 PS bei 6.000/min
Getriebe5-Gang manuell, Allrad8-Gang-Automatik, Allrad
0–100 km/h7,7 s3,6 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h305 km/h
Gewichtca. 2.700 kgca. 2.200 kg
Tank290 l85 l
Stückzahlca. 300Serienmodell

Fazit

Der LM002 war ein Experiment ohne Markt: ein Countach-V12 in einem 2,7-Tonnen-Geländewagen, gebaut für Kunden, denen Vernunft egal war. Rund 300 Exemplare später war klar, dass die Welt noch nicht so weit war. Der Urus hat das 30 Jahre später korrigiert – mit derselben Idee und der Technik von heute. Wer wissen will, wie sich ein Lamborghini mit vier Sitzen anfühlt, kann ihn bei uns fahren.

Häufige Fragen zum Lamborghini LM002

Wie viele Lamborghini LM002 wurden gebaut?

Rund 300 Exemplare zwischen 1986 und 1993 – je nach Quelle 301 bis 328, darunter einige Sonderversionen.

Woher kommt der Spitzname „Rambo Lambo“?

Aus den USA, wo der LM002 in den 1980ern als martialischer Luxus-Geländewagen auffiel. Der Name spielt auf die Rambo-Filme der Zeit an.

Welcher Motor steckt im LM002?

Der 5,2-Liter-V12 aus dem Countach 5000 Quattrovalvole mit 455 PS – vorn eingebaut, mit sechs Weber-Vergasern und Fünfgang-Handschaltung.

Kann man einen LM002 mieten?

Bei Diamond Cars nicht – der LM002 ist ein seltenes Sammlerstück. Seinen Nachfolger, den Lamborghini Urus mit 650 PS, fährst Du bei uns.

Was hat der Urus mit dem LM002 gemeinsam?

Die Idee eines Lamborghini mit vier Sitzen, Allrad und Geländetauglichkeit. Technisch ist der Urus ein völlig anderes Auto: V8-Biturbo, Automatik, Luftfederung, 305 km/h.

Über den Autor
Lukas Schulte

Vermietet mit Diamond Cars seit 2015 Sportwagen und Luxus-SUV in München – aus eigener Flotte, mit persönlicher Übergabe und Einweisung. Die Beiträge im Ratgeber beruhen auf dem täglichen Umgang mit den Fahrzeugen und auf geprüften Herstellerangaben.

Quellen: Automobili Lamborghini S.p.A., Pressematerial zum LM002 (1986) und Urus (2018) · Museo Lamborghini, Sant’Agata Bolognese · Pirelli & C. S.p.A. (Scorpion-Reifen) · eigene Erfahrungen mit dem Urus aus der Vermietung.

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