Technik erklärtLaunch Control

Launch Control erklärt: Wie der perfekte Start funktioniert – und warum er bei Mietwagen tabu ist

2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beim Huracán EVO, 3,0 beim Ferrari 488 GTB: Solche Werksangaben entstehen nicht mit dem rechten Fuß allein, sondern mit einem Startprogramm. Was Launch Control genau macht, wie sie bei Ferrari, Lamborghini, Porsche, Audi und Mercedes-AMG aktiviert wird, was sie Kupplung und Antrieb abverlangt – und warum wir sie bei unseren Fahrzeugen ausschließen.

Porsche 911 GT3 aus der Flotte von Diamond Cars – Launch Control im Sport-Modus des PDK
Aus dem Stand auf 100 in 3,4 Sekunden – mit Launch Control: der Porsche 911 GT3. Foto: Diamond Cars.

Das Wichtigste in Kürze

  • Launch Control ist ein Startprogramm: Bei getretener Bremse und Vollgas hält der Motor eine feste Drehzahl, beim Lösen der Bremse regelt die Elektronik Kupplung, Schlupf und – bei Allrad – die Kraftverteilung.
  • Die Werksangaben für 0–100 km/h entstehen damit. Ohne Programm ist ein Mensch selbst mit Übung mehrere Zehntel langsamer.
  • Der Preis: Bei jedem Start rutscht die Kupplung des Doppelkupplungsgetriebes unter voller Last. Die Hersteller begrenzen deshalb die Zahl der Starts hintereinander.
  • Bei unseren Mietfahrzeugen ist Launch Control nicht erlaubt. Die Beschleunigung aus dem Rollen heraus steht Dir in jedem Modus uneingeschränkt zur Verfügung – und ist ohnehin das eindrucksvollere Erlebnis.

Was Launch Control ist

Ein Start aus dem Stand ist die schwierigste Übung für jeden Antrieb: Zu wenig Drehzahl, und der Motor fällt in ein Loch; zu viel, und die Räder drehen durch. Die Kupplung muss in einer knappen Sekunde genau so viel Kraft übertragen, wie die Reifen auf den Asphalt bringen können – nicht mehr, nicht weniger. Genau das übernimmt Launch Control. Das Programm legt die Startdrehzahl fest, steuert das Einkuppeln des Doppelkupplungsgetriebes und lässt die Traktionskontrolle so viel Schlupf zu, wie für den besten Vortrieb nötig ist. Bei Allradlern wie dem Huracán EVO, dem Audi R8 oder dem Urus verteilt sie zusätzlich die Kraft zwischen den Achsen.

Das Ergebnis ist reproduzierbar: Jeder Start ist gleich gut, unabhängig vom Fahrer. Die Zeiten, mit denen Ferrari, Lamborghini und Porsche werben, sind Launch-Control-Zeiten – gemessen auf griffigem Asphalt, mit warmen Reifen und einem Auto in Bestform.

So läuft ein Start ab

Die Bedienung unterscheidet sich im Detail, das Prinzip ist bei allen Herstellern gleich:

Erstens: Voraussetzungen. Das Auto steht gerade, Motor und Getriebe sind auf Betriebstemperatur, Lenkrad in Geradeausstellung, der sportliche Modus ist gewählt – Race oder CT Off beim Ferrari, Sport oder Corsa beim Lamborghini, Sport Plus beim Porsche, performance beim Audi, Sport+ oder Race beim Mercedes-AMG. Manche Modelle verlangen zusätzlich, dass die Traktionskontrolle im richtigen Programm steht oder eine eigene Taste gedrückt wird.

Zweitens: Bremse. Mit dem linken Fuß wird das Bremspedal fest getreten und gehalten.

Drittens: Vollgas. Das Gaspedal wird ganz durchgetreten. Der Motor pendelt sich auf die Startdrehzahl ein – je nach Modell zwischen etwa 3.000 und 5.000/min – und im Display erscheint eine Meldung, dass das Programm bereit ist.

Viertens: Loslassen. Die Bremse wird abrupt gelöst. Ab jetzt macht das Auto alles selbst: Kupplung, Schlupf, Schaltpunkte. Der Fahrer hält das Lenkrad gerade und das Gaspedal am Boden; das Getriebe schaltet im Automatikmodus bis in den letzten Gang hoch.

Was man dabei spürt, ist ein Schlag in den Rücken, der mit nichts vergleichbar ist, was ein normales Auto kann. Und danach das Gefühl, dass es eigentlich zu einfach war – denn die eigentliche Arbeit hat die Elektronik gemacht.

Lamborghini Huracán EVO – 0–100 km/h in 2,9 Sekunden mit Launch Control
2,9 Sekunden auf 100 km/h: Beim Huracán EVO verteilt Launch Control die Kraft des V10 auf alle vier Räder.

Was der Start das Auto kostet

Ein Launch-Control-Start ist für den Antrieb das Härteste, was im Straßenbetrieb vorkommt. Beim Einkuppeln muss die Kupplung die volle Motorleistung übertragen, während sie noch rutscht – dabei entsteht in Sekundenbruchteilen viel Wärme. Das Doppelkupplungsgetriebe ist dafür ausgelegt, aber nicht beliebig oft: Die Hersteller begrenzen die Zahl der Starts hintereinander und verlangen Abkühlpausen; bei einigen Modellen zählt die Steuerung mit und meldet, wenn Schluss ist. Dazu kommen Antriebswellen, Differenziale und Reifen, die beim Start Spitzenlasten sehen, die im normalen Fahrbetrieb nie erreicht werden.

Für den Besitzer, der das ein paar Mal im Jahr macht, ist das unkritisch. Für ein Mietfahrzeug, das jede Woche in anderen Händen ist, sieht die Rechnung anders aus: Was für den einen der einmalige Kick ist, summiert sich über viele Mieter zu Verschleiß, der irgendwann zu einem teuren Schaden führt. Deshalb schließen wir Launch Control bei allen unseren Fahrzeugen aus – das steht im Mietvertrag, und wir sprechen es bei der Übergabe an.

Die bessere Beschleunigung: aus dem Rollen heraus

Die gute Nachricht: Das, was diese Autos wirklich besonders macht, hat mit dem Start aus dem Stand wenig zu tun. Die Beschleunigung, die einen Beifahrer sprachlos macht, findet zwischen 60 und 180 km/h statt – beim Herausbeschleunigen aus einer Kurve, beim Auffahren auf die Autobahn, beim Überholen auf der Landstraße. Dort arbeiten Motor und Getriebe mit voller Kraft, ohne dass eine Kupplung rutschen muss, und dort spürt man den Unterschied zwischen 400 und 640 PS am deutlichsten.

Beim Huracán EVO und beim R8 bedeutet das: zweiter oder dritter Gang, Sport-Modus, Vollgas – und der V10 dreht bis 8.500/min. Beim 488 GTB schiebt der Biturbo schon ab 3.000/min so, dass die Werksangabe von 0 auf 200 km/h (8,3 Sekunden) auf der Autobahn plausibel wird. Und beim G63 reicht ein kurzer Kickdown, um das 2,5-Tonnen-Auto in einer Weise nach vorn zu werfen, die niemand von einem Geländewagen erwartet. Nichts davon braucht Launch Control – und nichts davon ist bei uns eingeschränkt.

Fazit

Launch Control ist ein beeindruckendes Stück Technik: Sie macht aus dem schwierigsten Moment des Fahrens einen reproduzierbaren Vorgang und liefert die Zeiten, die in den Prospekten stehen. Sie ist aber auch die größte Belastung, die ein Antrieb im Alltag erfährt – und deshalb bei Mietfahrzeugen zu Recht tabu. Das Erlebnis, das bleibt, ist ohnehin ein anderes: der Schub aus dem Rollen heraus, der in jedem Modus und ohne Programm zur Verfügung steht.

Häufige Fragen zu Launch Control

Was ist Launch Control?

Ein Startprogramm für die optimale Beschleunigung aus dem Stand. Bei getretener Bremse und Vollgas hält der Motor eine feste Drehzahl; beim Lösen der Bremse regelt die Elektronik Kupplung, Schlupf und Kraftverteilung. Die Werksangaben für 0–100 km/h entstehen damit.

Darf ich Launch Control bei einem Mietwagen benutzen?

Bei Diamond Cars nicht. Launch Control belastet Kupplung und Antrieb erheblich, deshalb ist sie bei unseren Fahrzeugen vertraglich ausgeschlossen. Die Beschleunigung aus dem Rollen heraus steht Dir in jedem Modus uneingeschränkt zur Verfügung.

Wie schnell ist ein Start ohne Launch Control?

Mit etwas Gefühl im Gasfuß liegt ein Start aus dem Stand meist einige Zehntel über der Werksangabe – der Unterschied zwischen 2,9 und 3,5 Sekunden ist für den Beifahrer kaum spürbar. Beim Herausbeschleunigen aus dem Rollen gibt es keinen Unterschied.

Warum begrenzen Hersteller die Zahl der Starts?

Weil die Kupplung bei jedem Start unter voller Last rutscht und dabei stark erwärmt wird. Nach mehreren Starts hintereinander verlangt die Steuerung eine Abkühlpause, um Schäden am Doppelkupplungsgetriebe zu vermeiden.

Hat Launch Control etwas mit den Fahrmodi zu tun?

Ja, das Programm lässt sich nur im sportlichsten Fahrmodus aktivieren – Race beim Ferrari, Sport oder Corsa beim Lamborghini, Sport Plus beim Porsche. Was die Modi sonst verändern, steht im Beitrag Fahrmodi erklärt.

Über den Autor
Lukas Schulte

Vermietet mit Diamond Cars seit 2015 Sportwagen und Luxus-SUV in München – aus eigener Flotte, mit persönlicher Übergabe und Einweisung. Die Beiträge im Ratgeber beruhen auf dem täglichen Umgang mit den Fahrzeugen und auf geprüften Herstellerangaben.

Quellen: Betriebsanleitungen und technische Daten von Ferrari S.p.A., Automobili Lamborghini S.p.A., Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, AUDI AG und Mercedes-AMG GmbH · eigene Erfahrungen aus der Vermietung.

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